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16. April 2003

 

Herrn Oberbürgermeister
Christian Ude
Rathaus

 

Antrag

Die Stadt München wechselt aus Kosten- und Sicherheits-
gründen von Windows NT auf Linux


Der Stadtrat möge beschließen:

Die Landeshauptstadt München wechselt aus Kosten- und Sicherheitsgründen von dem
bisher verwendeten Betriebssystem Windows NT auf Linux und nicht auf Windows XP
- selbst wenn Microsoft den "Einstandspreis" noch nachbessert oder Gegengeschäfte
anbietet, wie etwa die Stiftung von Computern für "Schulen ans Netz". Damit folgt sie
der Empfehlung eines Gutachtens der Firma Unilog Integrata, die sich für Linux und
Freie-Büro-Programme ausgesprochen hat.


Begründung:

München verwendet gegenwärtig erfolgreich Windows NT - trotzdem muss die Stadt
auf ein neues Betriebssystem umstellen, vorwiegend weil die Herstellerfirma Microsoft
Windows NT nicht mehr unterstützt. Wenn die Stadt jetzt wieder auf ein Microsoft-
Betriebssystem setzt, wird sie in einigen Jahren erneut durch eingestellten Support
zu einem höchst kostspieligen Wechsel gezwungen werden. Deshalb zahlt sich auch
ein von Microsoft nochmals reduzierter Einstandspreis mittel- und langfristig nicht aus.


Die einzelnen Kostenvorteile des herstellerneutralen Linux und der Microsoft-
compatiblen Freie-Büro-Programme führt das genannte Gutachten aus.


Noch entscheidender ist die Daten- und Benutzersicherheit: Windows XP übermittelt
automatisch Benutzerdaten über das Internet an Microsoft und kann nur schwer
auf "versteckte" Funktionen überprüft werden. Diese Intransparenz dürfte auch
Geheimdiensten die allgegenwärtige Industriespionage erleichtern. Das Betriebssystem
Linux hingegen ist dank des offenen Programmcodes bis ins Detail durchschaubar
und lässt sich relativ einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Außerdem zeichnet
sich Linux durch eine höhere Ausfallsicherheit sowie eine geringere Anfälligkeit für
Viren, "Hack-Angriffe" und dergleichen aus (selbst wenn man den geringeren
Verbreitungsgrad berücksichtigt, weswegen "Virenprogrammierer" einen entsprechend
geringeren Anreiz für ihre Aktivitäten haben).


Seine effektive Ressourcennutzung ermöglicht den Weiterbetrieb auch älterer Computer.
Dank offener Schnittstellen können "Fremdprogramme" relativ einfach eingebunden
werden, während Microsoft grundsätzlich versucht, firmeneigene Standards und
Programme durchzusetzen.


Aus diesen Gründen steigen immer mehr Städte und Behörden auf Linux und
"Open-Source"-Produkte um - eines der größten Projekte wird das Verkehrs-
ministerium in Angriff nehmen.


Der Einführungsprozess kann zusätzlich optimiert werden,
- wenn München auf die Erfahrungen anderer Städte und Behörden bei ähnlichen
  Projekten zurückgreift,

- die Rahmenverträge des Bundesinnenministeriums beispielsweise mit IBM oder
  SuSE Linux nutzt

- und die städtischen Mitarbeiter frühzeitig über Software-Änderungen informiert.
  So könnte man ihnen eine kostenlose CD mit selbststartendem Linux plus
  Büroprogramm zur privaten Nutzung überlassen.


Es ist außerdem nicht ausgeschlossen, dass die quasi bedingungslose Abhängigkeit
von einem (amerikanischen) "Monopolisten" auch zu größerer politischer Abhängigkeit
führt. So musste die Münchner Firma Krauss-Maffei Wegmann im Februar erfahren,
dass die weltpolitische Lage massive Auswirkungen auf das Geschäftsleben haben
kann: US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld strich die erwartete führende
Rolle bei der Entwicklung eines neuen Panzers für das US-Heer und vergab sie an
amerikanische Unternehmen.


Mechthild v. Walter
Stadträtin



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